Computergestützte Etablierung epochenübergreifender Wortfamilienstrukturen

  1. Ziel
  2. Stand der Arbeiten
  3. Bibliographie
Leitung und Partner:

Universität Frankfurt

Akademie der Wissenschaften und der Literatur | Mainz

Laufzeit:

Oktober 2017 bis September 2019

Arbeitsgruppe:

Frankfurt:
Prof. Dr. Jost Gippert; Prof. Dr. Alexander Mehler; Dr. Roland Mittmann (Koordination); Dr. Roland Schuhmann (0,5 Mitarbeiterstelle); N.N. (0,5 Mitarbeiterstelle Informatik)

Mainz:
Dr. Ralf Plate; Ute Recker-Hamm M.A.

Zusammenarbeit mit: Prof. Dr. Thomas Klein (Universität Bonn); Prof. Dr. Jochen Splett (Universität Münster)

  1. Ziel: Computergestützte Etablierung epochenübergreifender Wortfamilienstrukturen, zunächst für Althochdeutsch/ Mittelhochdeutsch

Ob historische Wörterbücher den Wortschatz streng einzelwortbezogen oder in Wortfamilien bearbeiten und darbieten sollen, ist seit den Anfängen der wissenschaftlichen Lexikographie umstritten. Während in der Anfangszeit mehrfach auch Wortfamilienwörterbücher realisiert wurden (z.B. Schmellers Bayerisches Wörterbuch 1827-1837, Graffs Althochdeutscher Sprachschatz 1834-1842, das Mittelhochdeutsche Wörterbuch von Benecke/Müller/Zarncke 1854-1866), dominiert heute bei den großen Belegwörterbüchern das einzelwortbezogen alphabetisch fortschreitende Wörterbuch. Ausnahmen bilden das Schweizerische Idiotikon und das Deutsche Fremdwörterbuch, in gewisser Weise auch das Althochdeutsche Wörterbuch.

Der Grund für die Bevorzugung der einzelwortbezogen alphabetisch fortschreitenden Wörterbucharbeit ist nicht inhaltlicher Natur, sondern vor allem wörterbuchplanerischer Art. Bei Ausarbeitung von Wortfamilien lässt sich der Arbeitsfortschritt scheinbar nicht so stringent planen, kontrollieren und durch Publikation dokumentieren wie bei Abarbeitung einer alphabetischen Stichwortliste. Dies spielt vor allem eine Rolle für die Großunternehmen der Akademienforschung, die mit engen planerischen Vorgaben und Auflagen arbeiten. Dass auch in diesen Arbeit nach Wortfamilien möglich ist, zeigt das Beispiel des Althochdeutschen Wörterbuchs (AWB) der Sächsischen Akademie der Wissenschaften, dessen Begründer in einer längeren Vorbereitungsphase zunächst mit der Ausarbeitung von Wortfamilien begonnen haben (vgl. z. B. den Werkstattbericht von Karg-Gasterstädt 1942); das ist bis heute im Wesentlichen beibehalten worden, publiziert wird allerdings (gemäßigt)  einzelwort-alphabetisch.

Der Erkenntniswert der Wortfamilieneinheit für die Lexikographie und darüber hinaus für sprachgeschichtliche Fragen überhaupt ist völlig unbestritten (vgl. etwa Hundsnurscher 2002 und Splett 2002). Eindrucksvolle Zeugnisse dafür sind die beiden Wortfamilienwörterbücher zum Althochdeutschen und zum Gegenwartsdeutschen, die – abseits der Akademienforschung – von Jochen Splett an der Universität Münster ausgearbeitet worden sind (erschienen 1993 und 2009). Der Fokus liegt bei ihnen auf der Analyse der Wortbildungen und ihrer Ableitungsbeziehungen, die Bedeutungsangaben beruhen auf den zugrundeliegenden Belegwörterbüchern und weiteren lexikographischen Hilfsmitteln.

Wo es bereits digitale Lemmalisten gibt, können Wortfamilienstrukturen computergestützt erarbeitet und epochen- und (unter bestimmten Bedingungen auch) sprachübergreifend verknüpft werden, wie präzise und auf umfangreiche Materialien gestützte Überlegungen und Erprobungen von Thomas Klein (2013, 2018) zeigen. Diese Wortfamilienstrukturen können auch nachträglich mit den Artikeln für einzelwortbezogen alphabetisch publizierte Wörterbücher verknüpft werden, so dass für diese dann eine Benutzung nach Wortfamilien möglich wird.

ZHistLex setzt sich im Rahmen dieses Aufgabengebiets zum Ziel, eine solche epochenübergreifende Wortfamilienstruktur exemplarisch für das Althochdeutsche und das Mittelhochdeutsche zu realisieren; für diese beiden Sprachepochen sind die Bedingungen aufgrund der exzellenten Vorarbeiten von Splett und Klein und aufgrund des Vorliegens von umfassenden lexikographischen Online-Angeboten (in Gestalt des AWB, des Verbunds der älteren Mittelhochdeutschen Wörterbücher im Trierer Wörterbuchnetz und des in Ausarbeitung befindlichen Mittelhochdeutschen Wörterbuchs) besonders günstig. Neben dem materiellen Ergebnis, den ahd.-mhd. Wortfamilien, sollen die dabei gewonnenen Erfahrungen und eingesetzten Programme dokumentiert werden für die Anwendung auf weitere Sprachepochen bzw. -varietäten (nicht nur) des Deutschen.

  1. Stand der Arbeiten

Zur Zeit werden die von Thomas Klein zur Verfügung gestellten Materialien und Programmroutinen adaptiert und nach laufender Kontrolle der Ergebnisse von Testläufen verbessert.

  1. Bibliographie

Hundsnurscher, Franz, Das Wortfamilienproblem in der Forschungsdiskussion, in: Lexikologie / Lexicology. Ein internationales Handbuch zur Natur und Struktur von Wörtern und Wortschätzen / An international handbook on the nature and structure of words and vocabularies, hg. v.  D. Alan Cruse u.a., Bd. 1 (HSK 21,1),  Berlin / New York 2002, Art. 86, S. 675-680.

Karg-Gasterstädt, Elisabeth,  Aus den Ergebnissen unserer Arbeit am Althochdeutschen Wörterbuch  (Aus der Werkstatt des Althochdeutschen Wörterbuchs 15), PBB 65 (1942), S. 241-256.

Klein, Thomas, Verknüpfung digitaler Lemmalisten historischer Sprachstufen des Deutschen – wie und wozu? Vortrag auf dem Arbeitsgespräch zur historischen Lexikographie 2013.

Klein, Thomas, Mittelhochdeutsche Wortfamilien: Ermittlung und Perspektiven, in: Zeitschrift für Wortbildung / Journal of Word Formation, Jg. 2 (2018), S. 11-31.

Splett, Jochen, Althochdeutsches Wörterbuch. Analyse der Wortfamilienstrukturen des Althochdeutschen, zugleich Grundlegung einer zukünftigen Strukturgeschichte des deutschen Wortschatzes, 3 Bd.e, Berlin/New York 1993.

Splett, Jochen, Bedingungen des Aufbaus, Umbaus und Abbaus von Wortfamilien, in: Lexikologie [wie Hundsnurscher], Art. 88, S. 688-699.

Splett, Jochen, Deutsches Wortfamilienwörterbuch. Analyse der Wortfamilienstrukturen der deutschen Gegenwartssprache, zugleich Grundlegung einer zukünftigen Strukturgeschichte des deutschen Wortschatzes, 18 Bd.e,  Berlin/New York 2009.

Letzte Änderung auf dieser Seite: 22.4.2018