Innovative Zugriffs- und Darstellungsformen

  1. Historisch-lexikographische Darstellungsformen: Ziele und Stand der Arbeiten
  2. Formen der Visualisierung in digitalen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterbuchsystemen: Ziele und Stand der Arbeiten
  3. Zugriffsweisen in digitalen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterbuchsystemen: Ziele und Stand der Arbeiten
Leitung und Partner:

Uni Gie├čen

Uni Frankfurt, AdW G├Âttingen

Laufzeit:

Oktober 2016 bis September 2019

Arbeitsgruppe:

Gie├čen:
Prof. Dr. Thomas Gloning; Andre Pietsch

Frankfurt:
Dr. Ralf Plate; Prof. Dr. Jost Gippert; Dr. Roland Schuhmann

G├Âttingen:
PD Dr. Volker Harm; Dr. Armin Hoenen

  1. Historisch-lexikographische Darstellungsformen: Ziele und Stand der Arbeiten

Im Rahmen der Fachgeschichte der historischen Lexikographie hat sich ein breites Repertoire von Darstellungsformen im Rahmen von Wortartikeln herausgebildet, das sich vor allem durch die Beschreibung typischer Artikelstrukturen, der Gestaltung einzelner Informationspositionen, typischer Sequenzierungsweisen usw. rekonstruieren l├Ąsst. In der Strukturierung und Ausarbeitung von W├Ârterbuchartikeln spiegeln sich nicht selten sprachtheoretische und sprachwandeltheoretische Grundannahmen, auch wenn sie nicht immer explizit gemacht wurden. In digitalen historischen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterb├╝chern wurden einerseits Artikelstrukturen der gedruckten W├Ârterb├╝cher ins neue Medium umgesetzt, zum anderen wurde versucht, die spezifischen M├Âglichkeiten der digitalen Technologie f├╝r die Artikelgestaltung zu nutzen (z.B. Nutzung von Linkstrukturen, Ein- und Ausblendtechniken). Ziel des Arbeitspakets 7.1 ist es, die bislang in digitalen historischen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterbuchsystemen genutzten Darstellungsformen zu systematisieren und gleichzeitig neue Darstellungsformen zu erproben, zu evaluieren und auf ihre breite Umsetzbarkeit hin zu ├╝berpr├╝fen.

Die Schwerpunkte der bisherigen Arbeit in AP7.1 sind:

  • Erarbeitung von ÔÇ×SteckbriefenÔÇť zu den gro├čen digitalen historischen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterbuchsystemen: In diesen Steckbriefen werden jeweils die verwendeten und digital umgesetzten Darstellungsformen, die implementierten Zugriffsweisen und die genutzten Formen der Visualisierung beschrieben. Wo erkennbar, sind auch die technischen Grundlagen erl├Ąutert. Bislang sind 16 Steckbriefe ausgearbeitet.
  • Ausgehend von den Steckbriefen wird das Repertoire von Darstellungsmitteln in digitalen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterbuchsystemen systematisiert. Hierzu geh├Âren u.a. die Techniken der Artikel-Gliederung, Ein- und Ausblendtechniken, Formen der Belegdarbietung, Strategien der Verkn├╝pfung von W├Ârterbuchartikeln mit Korpustexten usw.
  • Anhand von reflexiv kommentierten Prototypen entwickeln wir wortgeschichtliche Darstellungsweisen f├╝r wort- und wortschatzgeschichtliche Entwicklungen, die sich auf spezifische Aufgaben und Anforderungen beziehen. Am Beispiel von ÔÇ×v├ÂlkischÔÇť entwickelt Volker Harm ein narratives Format, mit dem sich die bedeutungsgeschichtliche Entwicklung, die Bezeugungsgeschichte, ideen- und kulturgeschichtliche Bedingungen integrieren und auf digitale Korpustexte beziehen lassen. Am Beispiel der Wortfamilie um ÔÇ×bauenÔÇť entwickeln Plate, Hoenen und Schuhmann ein Format, mit dem sich historische Wortfamilienstrukturen und ihre Entwicklungen in einer digitalen Umgebung darstellen lassen. Am Beispiel von ÔÇ×gef├ĄlligstÔÇť zeigen Gloning und Plate, wie sich pragmatische Aspekte der Bedeutungsentwicklung in einem narrativen bedeutungsgeschichtlichen Format umsetzen lassen. Sog. Wortschatzminiaturen (Gloning) dienen dazu, einzelne Wortschatzsektoren in ihrer geschichtlichen Entwicklung zu umrei├čen und die entsprechenden digitalen Wortartikel darauf zu beziehen. Dieses Format dient nicht nur der Verbindung von Einzelwortartikeln mit Aspekten der Wortschatzstruktur und der Wortschatzentwicklung, sondern auch der systematischen Planung der Wortschatzarbeit entlang von kulturgeschichtlichen Einheiten (z.B. Wortschatz der Luftfahrt; Wortschatz der j├╝dischen Lebensform).
  1. Formen der Visualisierung in digitalen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterbuchsystemen: Ziele und Stand der Arbeiten

Neben den sprachlich-textuellen Verfahren der bedeutungsgeschichtlichen Darstellung spielen Formen der Visualisierung in (digitalen) W├Ârterb├╝chern und und in wort(schatz)geschichtlichen Untersuchungen eine wichtige Rolle. Funktionen solcher Visualisierungen sind etwa die Darstellung der Bezeugungsgeschichte in Raum und Zeit (z.B. Verteilungskarten; Wortverlaufskurven), Formen der Veranschaulichung von Frequenzen (z.B. Wortwolken), auch im zeitlichen L├Ąngsschnitt (z.B. DiaCollo), die Darstellung von semantischen Entwicklungspfaden in Verzweigungsdiagrammen, die Verteilung von Aspekten des Wortgebrauchs nach unterschiedlichen Kriterien (z.B. Textsorten) in der Zeit. Zu den Aufgaben in AP7.2 geh├Ârt es, das Repertoire visueller Darstellungsformen in der Wortgeschichte und das Spektrum ihrer Einsatzm├Âglichkeiten zu systematisieren sowie neue Visualisierungsm├Âglichkeiten zu entwickeln und zu erproben.

Die Schwerpunkte der bisherigen Arbeit in AP7.2 sind:

  • Ermittlung des bislang genutzten Repertoires von Visualisierungsformen und ihrer Einsatzm├Âglichkeiten in digitalen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterbuchsystemen im Rahmen der Arbeit an den W├Ârterbuch-Steckbriefen (Andre Pietsch);
  • Systematisierung von Grundformen und Grundfunktionen der Visualisierung in wort- und wortschatzgeschichtlichen Kontexten (Armin Hoenen, Thomas Gloning).
  1. Zugriffsweisen in digitalen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterbuchsystemen: Ziele und Stand der Arbeiten

In der Fachgeschichte der historischen Lexikographie haben sich unterschiedliche Organisationsweisen von W├Ârterb├╝chern mit spezifischen Zugriffsweisen etabliert. Die unmarkierte Normalform des historisch-philologischen W├Ârterbuchs beschreibt den Sprachgebrauch pro Wortschatzeinheit in seiner Gesamtheit. Die Beschreibung des Gebrauchs einer Wortschatzeinheit im W├Ârterbuch hei├čt Wortartikel. Die Wortartikel werden in alphabetischer Reihenfolge pr├Ąsentiert. Wortfamilien-W├Ârterb├╝cher fassen die einzelnen Wortartikel zu gr├Â├čeren etymologisch und/oder wortbildungsm├Ą├čig begr├╝ndeten Einheiten zusammen unter einem Etymon (Wurzel) oder einem Archilexem (z.B. einem starken Verb), die der Familie den Namen geben. Unter diesem Namen werden die Wortfamilien in alphabetischer Reihenfolge pr├Ąsentiert; die Anordnung der Wortartikel innerhalb der Wortfamilie folgt in der Regel Wortbildungspfaden. Wortfamilienw├Ârterb├╝cher haben fast immer einen alphabetischen Index der Wortartikel. Sog. onomasiologische W├Ârterb├╝cher gliedern den zu dokumentierenden Wortschatz anhand von Gruppen von zusammengeh├Ârigen Gebrauchsweisen. Die Anordnung der einzelnen Gruppen kann unterschiedlichen Prinzipien folgen, die im W├Ârterbuch selbst eingef├╝hrt werden m├╝ssen. Onomasiologische W├Ârterb├╝cher haben fast immer einen alphabetischen Index der in ihm erfassten Wortschatzeinheiten. Diese und weitere Organisationsformen von (historischen) W├Ârterb├╝chern sind in den HSK-B├Ąnden ÔÇ×W├Ârterb├╝cherÔÇť gut dokumentiert.

Im Mittelpunkt der Arbeit im Arbeitspaket 7.3 steht die Frage, wie in digitalen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterbuchsystemen unterschiedliche Zugriffsweisen implementiert werden und wie ggf. mehrere Zugriffsweisen parallel angeboten werden k├Ânnen. Dabei kann auch auf Vorarbeiten zur├╝ckgegriffen werden, die sich auf lexikographische Register beziehen. Aufgabe von AP7.3 ist es auch, spezifische (auf einzelne oder wenige W├Ârterb├╝cher bezogene) und globale (auf viele oder alle W├Ârterb├╝cher) bezogene Register- und Erschlie├čungsgesichtspunkte und darauf bezogene digitale Zugriffsweisen zu identifizieren, Bedingungen und Formen ihrer Realisierung zu beschreiben und ihren lexikographischen, sprachwissenschaftlichen, kultur- und ideengeschichtlichen Wert zu qualifizieren.

Die Schwerpunkte der bisherigen Arbeit in AP7.3 sind:

  • Im Rahmen der Steckbriefe (siehe AP7.1) werden die unterschiedlichen Zugriffsformen beschrieben, die in den einzelnen digitalen W├Ârterb├╝chern und W├Ârterbuchsystemen implementiert sind, und darauf aufbauend eine Systematik von Zugriffsweisen in digitalen Umgebungen entwickelt (Andre Pietsch);
  • Im Anschluss an die Entwicklung der ZHistLex-API (AP2) und die Datenkuratierung (AP3) werden neuartige und kombinierbare Abfragetypen entwickelt und im Hinblick auf ihre Umsetzbarkeit und ihre Bindung an bestimmte Voraussetzungen in den Daten und Datenstrukturen beurteilt (Gloning; Pietsch; Herold und andere).

Letzte Änderung auf dieser Seite: 24.8.2019